Meine ORWO Kassetten Sammlung
Die Filmfabrik Wolfen in Sachsen / Anhalt wurde 1909 von dem Unternehmen Agfa gegründet. Nach dem 2. Weltkrieg ging das Werk per SMAD-Befehl Nr. 156 am 22. Juli 1946 in sowjetisches Eigentum über. Viele Mitarbeiter verließen die Sowjetische Besatzungszone in Richtung Westen, um sich in den dortigen Agfa-Betrieben eine berufliche Zukunft zu suchen. In Wolfen begann 1946 die von der SMAD angeordnete Demontage bei gleichzeitiger Beschlagnahme der Produktion aus Reparationsgründen. 50 % der Produktionsanlagen zur Herstellung des Farbfilms wurden demontiert und nach Schostka in der Ukraine verbracht, um dort das Farbfilmwerk Nr.1 der Sowjetunion zu errichten. Hierzu wurden Ingenieure und Meister aus Wolfen verpflichtet, die z. T. mit ihren Familien in die Sowjetunion reisten, um dort die Montage und das Anfahren der Produktion zu übernehmen. Zum 31. Dezember 1953 wurde die Filmfabrik aus der SAG entlassen und firmierte nun als VEB Film- und Chemiefaserwerk Agfa Wolfen. 1964 erfolgte die Warenzeichenumstellung nach gerichtlichen Streitigkeiten von Agfa auf ORWO (Original Wolfen), um sich deutlich von der westdeutschen Agfa, seit 1964 Agfa-Gevaert, abzugrenzen.
ca. 1972-1975
Die ersten Kassetten wurden in der DDR ab 1972 produziert. Die Bezeichnung war K60 und kosteten kurzzeitig 26 Mark, welches dann auf 20 Mark gesenkt wurde.
Die ersten hatten einen blauen Einleger mit einem blauen Edikett. Die Kassetten selber waren aus weißen halbdurchsichtigem Material und waren alle 6 fach (auf jeder Seite 3 ) verschraubt. Alle Kassetten wurden im VEB Magnetbandfabrik Dessau hergestellt, welches Teil des VEB Fotochemischen Kombinates Wolfen, kurz ORWO, war.
Ab 1975 wurden die Einleger sowie die Kassetten mit grünem Edikett und meist hellgrauem Kassettengehäuse ausgeliefert.
Ein weiteres Kuriosum waren der zeitweise Verkauf in sogenannten Plasteboxen. Ob dies aus Mangel an Rohstoffen oder einfach nur Materialeinsparung war, ist leider heute nicht mehr nachvollziebar.
Ebenfalls 1975 kam die erste Kassette mit 90 min Spielzeit auf den Markt, sie kostete damals 27 M.
Die beiden letzten wurden nur kurz mit diesen Ediketten ausgeliefert und deshalb sehr schwer zu finden.
Einlegervarianten
Kassetten- und Aufklebervarianten
1975-1983
Ab 1975 begann die Produktion von Kassetten im Chemiefaserwerk Premnitz. Dazu gab es neue Einleger und Kassettenaufkleber. Die Kassetten hatten jetzt meistens eine 4-fach Verschraubung, ich habe aber auch noch eine K90 mit 6-fach Verschraubung gefunden.
Ab 1980 kamen neue Einleger mit silbernem Hintergrund. Die Aufkleber blieben gleich und wurden zum Teil noch bis 1985 genutzt. Gleichzeitig wurde die Produktion in Dessau aufgenommen.
Einlegervarianten K60 und K90 bis ca 1980
Einlegervarianten K60 und K90 von 1980 bis ca.1983
Kassetten- und Aufklebervarianten K60 und K90
ca. 1981-1988
FE-Bänder
EInleger K10 und K30
Kassettenvarianten K10 und K30
Einlegervarianten K60 und K90 Low Noise
Kassettenvarianten K60 Low Noise
Chromdioxidbänder ab 1979
Einlegervarianten K60 Cromdioxid HIFI
Kassettenvarianten K60 Cromdioxid HIFI
Einlegervarianten K60 Cromdioxid HIFI-Extra (jetzt mit IEC II Norm)
Kassettenvarianten K60 Cromdioxid HIFI-Extra (jetzt mit IEC II Norm)
ca. 1988-1990
Ab 1988 wurde das Design zum letzten Mal umgestellt. Es war jetzt standardisiert und unterschied sich nur in der Bandlänge und Bandmaterial sowie den beiden Herstellern.
Einlegervarianten Fe I
Kassettenvarianten Fe I
Einlegervarianten CrExtra II HIFI
Kassettenvarianten CrExtra II HIFI
Reinigungskassetten
Digitalkassette DK Typ 490
In der DDR verkaufte ehemals (sowjetische) Kassetten
Auf Grund von zeitweisen Lieferschwierigkeiten an ORWO Kassetten wurden kurzzeitig Kassetten aus der ehemalige Sowjetunion in die DDR importiert. Sie wurden in Kasan hergestellt. Die Gehäusehälften waren miteinander verschweißt und wurden in verschiedenen Farben gefertigt.
Die wortwörtliche Übersetzung des Herstellers lautet: "Kasanische fotochemische Fabrik", kurz "ASSOFOTO", das der Bänder:" Kassette mit infizierter Magnetisierung"
In der DDR verkaufte polnische Kassette
Kurzzeitig wurden auch polnische Kassetten in der DDR verkauft. Zu erkennen an der Schlüsselnummer und dem EVP im Mark. Diese Kassetten sind sehr selten zufinden.
1990-1993
Nach der Wende 1989 produzierte das Werk unter dem Namen Dessauer Magnetband GmbH weiter. (kurzzeitig unter DE-Wa Datenträger GmbH Dessau) und danach unter Dessauer Magnetband GmbH (DMB). Ab 1991 wurden die Kassetten unter dem Markennamen "Lazer" verkauft. Die DMB wurde dann von der Treuhand an die Fa. RAKS verkauft. Diese wollte in Dessau investieren, was allerdings nie geschah. Infolge der fehlenden Investitionen wurde das Werk 1993 stillgelegt und 1998 abgerissen.
Einleger 1990 noch ohne Markennamen. Kassetten blank ohne Bedruckung.
Einleger ab 1991 Markenname Lazer. Kassetten mit Lazer Bedruckung.
Der erste Einleger ist mit der DE-WA Datenträger GmbH Dessau bedruckt. Er ist wahrscheinlich sehr selten, da ich bis jetzt nur diesen einen gefunden habe.
Demonstrationskassetten für RFT Geräte
Diese Kassetten waren beim Kauf eines RFT Gerätes immer dabei.